Ausmisten in großer Höhe

Seit Herbst 1963 ruft das aus drei Glocken bestehende, über 3 Tonnen schwere Geläut der Kreuzkirche mit den Tönen es‘, f‘ und as‘ die Gläubigen im Kreuztaler Talkreuz zu Gottesdienst, Gebet und Totengedenken.
Möglich wurde dies damals durch eine Schenkung von SAG, der Siebau und der Kreuztaler Eisenhandlung, alles Firmen der Dreslerfamilie, deren Familienwappen die Glocken ziert. In 56 Jahren nagt der Zahn der Zeit an der Apparatur, Grund zu regelmäßigen Wartungen der Technik in der Turmspitze.


Seit 56 Jahren interessieren sich aber auch große schwarze Vögel für unseren Kirchturm. Die Krähen hinterlassen dabei jede Menge Mist und Dreck. Als 2012 der Turm mit großer ehrenamtlicher Hilfe von Gunter Krieger saniert wurde, hatte man alle Schlupflöcher für die Rabenvögel verschlossen. Alle? Das kluge Federvieh fand immer wieder kleine Lücken und zwängte sich mit Nistbaumaterial durch noch so kleine Löcher.
So ging es im November für Reinhard Stahlschmidt, den Baubeauftragten unserer Gemeinde und Jochen Schreiber, seinen Bauhelfer, wieder einmal hoch hinauf.
Nach dem Bezwingen der „Himmelsleiter“ wurden sechs große Säcke mit den Hinterlassenschaften der Vögel gefüllt und aus schwindelerregender Höhe anschließend abgeseilt. Mit langen Brettern verschlossen die beiden außerdem auf abenteuerlichen Klettertouren durch den Glockenstuhl weitere Lücken in der Verbretterung der Glockenstube.
Ob die Bemühungen nun endlich greifen oder im nächsten Jahr wieder ein „Drecksjob“ für die Ehrenamtler ansteht, wird sich zeigen.
Jochen Schreiber

 

 


 

 

 

 

 

Wieder eine Pfarrerin in der Kirchengemeinde Kreuztal!


Lange predigten keine Frauen mehr von den Kanzeln unserer Gemeinde. Das ändert sich erfreulicher Weise nun wieder. Am 13. Oktober wurde Frau Pfarrerin Mirjam Klein von Peter-Thomas Stuberg in der Friedenskirche eingeführt. Im Rahmen des vom Posaunenchor begleiteten Gottesdienstes sprach der Superintendent unserer neuen Pfarrerin den Segen für ihren Probedienst zu. In der Vorstellungrede hob er auf die Gleichnisse vom Senfkorn und vom Sauerteig ab. Aus einem kleinen Anfang kann sich Großes entwickeln.
Die dreiunddreißigjährige Theologin Mirjam Klein legte vor kurzem ihr zweites theologisches Examen mit Bravour, wie Stuberg betonte, ab. Sie beginnt in unserer Gemeinde ihren Probedienst, der in der Regel zwei Jahre dauert und in dem nach etwa einem Jahr die Ordination erfolgt.
Frau Klein predigte über Josua 2, 1-21. Die Hure Rahab ermöglichte in der Geschichte den israelitischen Spähern Josuas die Flucht aus dem kanaänäischen Jericho. Die mutige Frau überschreitet dabei im Vertrauen auf den ihr unbekannten Gott die Grenzen zwischen den Kanaanäern und den Israeliten. Sie öffnet sich dem Unbekannten und scheut sich nicht „Verrat“ an ihrem Volk zu begehen, in dem sie die zwei Israeliten nicht, wie erwartet, ihrem eigenen König ausliefert.
Rahab erscheint neben Tamar, Ruth und Batseba, allesamt Nichtjüdinnen, im Stammbaum Jesu im Matthäusevangelium. Wieso das? Dies zeigt uns, dass Gottes Wege oft ungewöhnlich und für das menschliche Verstehen unerforschlich sind. Gott bedient sich unerwarteter Wege und stellt Menschen aus allen Völkern in den Dienst seiner Heilsgeschichte. Die Segensverheißung Gottes und die Botschaft Christi gilt eben für alle Menschen, für uns und auch für die, die wir schnell in die Schublade „Fremde“ stecken.
Unter dem Strich berichtet diese nicht historische über dreitausend Jahre alte Geschichte vom Grenzen überschreiten und mit Gottes Hilfe Hass, Fake-News, Dummheit und die eigene Angst überwinden.
Christen sollen sich den Fremden öffnen! Wenige Tage nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle und dem willkürlichen Mord an zwei unschuldigen Menschen ein brandaktueller Rat für christliches und persönliches Handeln allem Fremden und fremden Menschen gegenüber. Auch, wenn es uns manchmal schwer fällt.
Im Anschluss an den Vorstellungsgottesdienst war die Gemeinde zu einem kleinen Imbiss und dem persönlichen Gespräch mit unserer neuen Pfarrerin eingeladen.


Jochen Schreiber